POLITYKA   Komentator. Europa-Niemcy-Polska  
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Auch diese Politiker wurden Werbeopfer

Ob nun geschmacklos, witzig oder beides - an der Werbung des Fremdgeh-Portals Ashley Madison mit Rainer Brüderles Konterfei scheiden sich die Geister. Der FDP und ihrem Spitzenkandidaten dürfte die fragwürdige Werbeaktion jedenfalls gar nicht schmecken. Ob sie rechtliche Schritte einleiten werden, ist noch unklar.

Unwahrscheinlich ist das nicht, wie Volker Nickel, Pressesprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, gegenüber Reuters erklärt:

«In der Werbung darf ich Politiker, Personen des öffentlichen Lebens, nur dann zeigen und für kommerzielle Zwecke einspannen, wenn ich sie vorher gefragt habe. Das hat hier nicht stattgefunden. Und insofern müsste sich Herr Brüderle dagegen wehren.»

Ashley Madison gibt sich dennoch entspannt. Bisher habe noch keine der Persönlichkeiten, die für ihre Werbeaktionen herhalten mussten, geklagt. Der Europa-Chef des Unternehmens, Christoph Kraemer, traut Brüderle «genügend Witz und Humor» zu, um die Werbung zu akzeptieren.

Skandale aufzugreifen und daraus ein eigenes kleines Skandälchen zu machen, hat bei Ashley Madison System. Schon CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer musste für das Fremdgeh-Portal herhalten: Gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger und Bill Clinton hing er im September 2011 großformatig am Berliner Alexanderplatz. Umrahmt von dem Slogan: «Was haben diese drei Männer gemeinsam? Sie hätten besser Ashley Madison nutzen sollen.»

Das Unternehmen spielte damit auf die Liebesaffären der Politiker an, die - so die Botschaft - bei Ashley Madison natürlich nie aufgeflogen wären. Der Wirbel um die umstrittenen Plakate bescherte dem Portal jeweils ordentlich Publicity und einen Zuwachs an Mitgliedern. Seit dem Brüderle-Coup hätten sich die Neuanmeldungen laut Reuters mehr als verdreifacht.

Auch Ex-Bundespräsident Christian Wulff musste im Zuge seiner Kreditaffäre als Testimonial herhalten. Zwar hatte seine Affäre nichts mit Fremdgehen zu tun. Dennoch warb Ashley Madison mit ihm für die Botschaft: «Bei uns bleiben Ihre Affären garantiert geheim!»

Die wohl bekannteste Werbekamagne mit einem Politikergesicht ist aber die des Autovermieters Sixt. Der verpasste der CDU-Chefin und späteren Bundeskanzlerin Angela Merkel 2001 eine neue Frisur: Aus dem 0815-Bob wurde eine äußerst eigenwillige Föhnwelle. Damit warb Sixt für seine Cabrio-Tarife. Merkel nahm ihre unfreiwillige Karriere als Werbegesicht gelassen. Als Wiedergutmachung könnte Sixt sie ja zur einer Cabriofahrt einladen, sagte sie damals dem Stern.

Nicht ganz so erfreut dürfte sie über einen Werbe-Gag der Unterwäschemarke Bruno Banani im Jahr 2009 gewesen sein. Diese spannte Merkel und Konsorten (Westerwelle, Seehofer, von der Leyen) halbnackt für die eigene Abwrackprämie ein. Das Motto: «Wir geben alles, um die Nachfrage anzukurbeln.» Im Klartext hieß das: 500 Cent Rabatt für alle, die ihre eigenen Klamotten abgeben und dafür die neue Designer-Linie kaufen.

Zu guter Letzt wurde auch US-Präsident Barack Obama schon mehrfach unfreiwillig zum Werbestar. Das Modelabel Benetton ließ ihn 2011 in einer großangelegten Kampagne unter anderem den Präsidenten von Venezuela Hugo Chavez küssen. Zig andere Staatsoberhäupter, die sich eigentlich verfeindet gegenüber stehen, busselten sich ebenfalls. Die Aktion firmierte unter dem Slogan «Unhate». Die gleichnamige Stiftung der Benetton Group setzt sich für mehr Toleranz und Solidarität ein.

Während das ein durchaus löblicher Ansatz ist, ging eine Werbung für russische Eiscreme mit Obama als Comicfigur im Jahr 2009 eindeutig zu weit. Der Hersteller postierte den US-Präsidenten mit Peace-Zeichen vor dem Weißen Haus und platzierte darunter seinen Vanilleeis-Riegel mit Schokokern. «Innen dunkel, außen weiß» lautete die Botschaft. Kritiker bezeichneten das als geschmacklos und rassistisch.

Nichts anderes lässt sich auch über die Verbreitung von Obama-Fotos zur Werbung eines russischen Sonnenstudio-Betreibers sagen. Hier wog die Schockwirkung schwerer als der gute Geschmack. Für viele Werbetreibende gilt eben noch immer: Besser schlechte Publicitiy als gar keine.

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Quelle: Nachrichten - Politik Nachrichten - Hauptsache provokant - Auch diese Politiker wurden Werbeopfer

Aktualizacja: 21.02.2013
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