GOSPODARKA BIZNES NOWE TECHNOLOGIE KOMENTATOR EUROPA-NIEMCY-POLSKA

Energie bleibt Herzstück deutscher Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau


Von Friedemann Kohler, dpa

/ 13.10.2015 / Die EU-Sanktionen gegen Russland sind der Energiebranche zwar lästig, sie bremsen aber das große Geschäft nicht. Bei Erdgas rücken Russland
und Deutschland immer enger zusammen. Auch ein finanzkräftiger
Oligarch geht auf Einkaufstour im Westen.

Moskau/St. Petersburg (dpa) - Wenn Besitzer von Gasheizungen in
Deutschland es in diesem Winter wieder warm haben, dann haben sie das
auch Gasfeldern im hohen Norden Russlands zu verdanken. Etwa 4000
Kilometer Luftlinie entfernt in Westsibirien fördern Russen und
Deutsche gemeinsam den wertvollen Brennstoff. Russland ist
Deutschlands größter Energielieferant: Knapp ein Drittel von Erdöl
und Erdgas (31 Prozent) kam 2014 aus dem Osten. Gut 22 Milliarden
Euro kosteten die Importe.

Die Energie-Zusammenarbeit ist das Herzstück der deutsch-russischen
Wirtschaftsbeziehungen. Sie läuft weitgehend unabhängig von der
Politik. Im Gegenteil: Trotz der Sanktionen gegen Russland wegen des
Vorgehens im Ukraine-Konflikt haben mehrere Mega-Deals im Jahr 2015
die Verflechtung verstärkt.

Es ist ein Geschäft mit wenigen großen Beteiligten, die einander
lange kennen. Seit 1970 ist Erdgas erst aus der Sowjetunion, dann aus
Russland nach Deutschland geflossen. Der deutsche Chemieriese BASF
mit seiner Tochter Wintershall und der russische Staatskonzern
Gazprom feiern am Montag in St. Petersburg 25 Jahre Zusammenarbeit.

reklama











Gemeinsam mit Gazprom fördert Wintershall Erdgas bei Nowy Urengoj -
Achimgaz heißt das paritätische Gemeinschaftsunternehmen. Auch am
nahen Gasfeld Yuzhno Russkoe ist Wintershall beteiligt. Dort hält
außerdem die deutsche Eon einen Anteil. Gazprom, BASF und Eon sind
auch Partner bei der Ostseepipeline Nord Stream von Wyborg in
Russland nach Deutschland. Jährlich kann sie bis zu 55 Milliarden
Kubikmeter Erdgas nach Westeuropa leiten.

Anfang September vereinbarten diese Partner den Bau einer zweiten
Leitung durch die Ostsee. Auch Shell (Niederlande), OMV (Österreich)
und ENGIE (bislang GDF Suez, Frankreich) werden sich beteiligen. Die
Kapazität beim Gastransport würde sich verdoppeln.

Anfang Oktober vollzogen BASF und Gazprom einen gigantischen
Aktientausch, durch den die Deutschen weitere Anteile an den
Gasfeldern in Westsibirien erhalten. Dafür bekamen die Russen das
Gasspeicher- und Handelsgeschäft von Wintershall. Ein Viertel der
deutschen Speicherkapazität ist damit in russischer Hand.
Gazprom-Chef Alexej Miller kommt seinem Traum einer Lieferkette von
der Förderung bis zum deutschen Endkunden ein Stück näher. Wegen der
Ukraine-Krise war das politisch brisante Geschäft 2014 zunächst auf
Eis gelegt worden.

Neu in das deutsch-russische Energiegeschäft drängt der schwerreiche
russische Oligarch Michail Fridman. Im Frühjahr übernahm er für gut
fünf Milliarden Euro die RWE-Tochter DEA - und damit ein Fünftel der
deutschen Öl- und Gasförderung. Nun verhandelt Fridmans Firma
LetterOne nach Presseberichten mit Eon, um deren Öl- und Gasfelder in
der norwegischen Nordsee zu übernehmen.

Russland betont immer wieder, dass es all die Jahre lang seine
Lieferverträge mit Westeuropa zuverlässig eingehalten hat. Wegen des
Zerwürfnisses mit dem Westen hat Präsident Wladimir Putin zwar eine
wirtschaftliche Kehrtwende Richtung China angekündigt. Doch die lässt
sich nur langsam an. Das Geschäft mit Deutschland und der EU ist
einfacher. Russland würde auch gern die Ukraine als Transitland
ersetzen. Das ist im Norden über die Ostsee einfacher als über das
Schwarze Meer im Süden. Die Pläne für die Pipeline Turkish Stream in
die Türkei hat Miller dieser Tage nach unten korrigiert.

Die EU-Sanktionen bremsen das Energiegeschäft also nicht. Als lästig
empfinden die Konzerne die Beschränkungen aber schon - Finanzierungen
werden teurer, der Zugang zu westlicher Spezialtechnik, um schwierige
Lagerstätten zu erschließen, ist versperrt. Deshalb hat sich die BASF
zum Jubiläum mit Gazprom mit einer Umfrage bewaffnet: Angeblich
halten 62 Prozent die Sanktionen nicht mehr für hilfreich.


reklama
reklama
reklama
080611 120x600_de Image Banner 120 x 600
Ten Years Myprotein
Default - 125x125